Meine
Autobiografie
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Freiheit,Mobilität und Abenteuer Freiheit, Mobilität und ein wenig Abenteuer. Das ist es doch, was sich jeder Fan von Motorrad, Quad oder ATV von seinem Fahrzeug verspricht. Für den Augsburger Anton Wagner haben diese drei Schlagworte eine noch viel tiefere Bedeutung. Für den 55-Jährigen ist das Quad nämlich der Ersatz für seine Beine, für seinen Rollstuhl und ein Garant für ein unabhängiges Leben. Und für jede Menge Spaß. Denn Wagner ist infiziert mit dem Quadvirus, mit jeder Faser seines Körpers. Bei unserem Gespräch in Wagners Augsburger Wohnung ist der Familienvater ganz kribbelig. Schließlich steckt er mitten in den Vorbereitungen für eine große Messe. Bei der Polizei-Motorrad-Sport-Club-Augsburg (PMCA)-Motorradmesse rührt Wagner nämlich immer die Werbetrommel für Menschen mit Handicap. Es ist ihm ein Anliegen, dass auch andere von seinen Erfahrungen profitieren und dass die Behörden anerkennen, welchen Freiraum und welche Lebensqualität gehbehinderte Menschen mit einem Vierradler zurückgewinnen. An Erfahrung mangelt es Wagner nicht. Schon als
Kind hatte der gebürtige Münchner mit einer spastischen Lähmung zu
kämpfen und war lange Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen.
Erinnerungen, die ihn prägten, obwohl er schon als Teenager als
geheilt galt. „Die Behinderung war für mich damals abgehakt, ich
konnte nur nicht so schnell laufen wie alle anderen.“ Der Augsburger
führt ein normales Leben, heiratet mit 21 Jahren seine große Liebe
Elvira und wird Vater von sechs Kindern. Beruflich bleibt er
vielseitig. Vom LKW-Fahrer bis hin zum Taxler, Wagner hat alles mal
ausprobiert. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Nach
einem Überfall bei einer Taxifahrt ist er auf dem rechten Auge blind
und verliert seinen LKW-Führerschein. Auch seine
Lieblingsbeschäftigung, das Motorradfahren, muss er aufgeben.
Allerdings erst nach einem weiteren Schicksalsschlag. Auf dem Weg
zur Arbeit, Wagner ist als Justizangestellter im Amtsgericht
beschäftigt, wird er von einem LKW gerammt. Auf seiner 450er Yamaha
hat er keine Chance. Eine dreijährige Krankenhaus-Odyssee beginnt,
32 Operationen muss er über sich ergehen lassen. Erfolglos. Nach
einer Unterschenkelamputation muss Wagner auch noch der Oberschenkel
abgenommen werden. Aus einem relativ harmlosen offenen
Unterschenkelbruch ist durch diverse Infektionen diese Tragödie
entstanden. Doch Wagner bleibt Optimist. Er schöpft Kraft aus seiner
Familie und ist weit davon entfernt, in Selbstmitleid zu versinken.
„Ok, der Fuß war weg, aber für mich hieß es damals, jetzt erst
recht.“ Wagner macht Rallyekurse, absolviert einen
Sportfahrerlehrgang und entdeckt 1997 das Quad für sich. Er wollte
raus, wollte sich frei bewegen können und nicht immer auf das Auto
oder fremde Hilfe angewiesen sein. Die Berufsgenossenschaft hatte
ihm damals ein Elektrofahrrad zur Verfügung gestellt - für Wagner
ein Graus. „Nach 15 Kilometern war der Akku leer. Das hat mich
wahnsinnig gemacht, ich bin doch kein alter Opa.“ Bei seinem
Yamaha-Händler wird Wagner fündig, eine 125er Yamaha Breeze scheint
das ideale Fahrzeug zu sein. Und welch Wunder. Die
Berufsgenossenschaft stimmt zu und Wagner fährt das damals erste
straßenzugelassene Quad in Schwaben. Verwirrung stiftet er damit
nicht nur auf den Straßen, sondern auch in der Zulassungsstelle.
Fast wie eine Sisyphus-Arbeit gestaltet sich die Zulassung des
Gefährts. Die Mitarbeiter dort sind überfordert, wissen nicht, was
sie von diesem für sie damals noch unbekannten Fahrzeug halten
sollen. Vier Wochen dauert es, bis Wagner endlich damit fahren kann
und die erste Tour führt ihn gleich ins Ausland. Gemeinsam mit
seinem Sohn startet er nach Korfu. „Mit 65 Stundenkilometern sind
wir dahin gezockelt, die Fahrt war ein Traum.“ Die erste von
unzähligen Reisen. Das Quad habe ihm seine Mobilität zurückgegeben
und nicht zuletzt auch Lebensqualität. Später tauscht er die Breeze
gegen sein heutiges Quad, eine Yamaha Warrior mit 350 Kubik. Um noch
mehr Freiheit zu genießen, bestückt er die mit einem
Gold-Wing-Anhänger aus England. Dort finden Rollstuhl und andere
Utensilien bequem Platz. Doch das Schicksal schlägt vor dem Kauf der
Warrior erneut zu. Bei einem zweiten Unfall wird auch Wagners
zweites Bein schwer verletzt, Wagner kann nicht mal mehr mit Krücken
laufen, geschweige denn die Schaltung seines Quads bedienen. Doch
Hilfe naht. Noch im Krankenhaus telefoniert Wagner mit Mitarbeitern
von Ebert und Jochem. Die bauen seine Warrior so um, dass auch
dieses erneute Handicap keines mehr ist. „Ich bin mit dem Quad jedem
Gesunden gleichgestellt.“ Das Leben und auch die Leidenschaft zum
Motorsport müsse nicht enden, wenn einem hart mitgespielt werde. Um
anderen Mut zu machen, engagiert er sich für andere Menschen mit
Handicap und zeigt, wie viel man sich zurückholen kann vom Leben.
Auch sportlich. Im Frühjahr 2006 plant Wagner ein Schnee-Speedway
für behinderte Motorsportfans. „Das wird bestimmt eine tolle Sache
und gibt jedem, der sich dafür stark macht Aufschwung.“ Verbitterung
ist Wagner fremd. Er ist ein Kämpfer und lebt durch seine
Erfahrungen bewusster, und versucht das auch an andere
weiterzugeben. Das äußert sich auch in
dem Satz den Wagner auf seiner Homepage publiziert: „Nicht behindert
zu sein, ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit
genommen werden kann.“ Eines lässt sich Wagner allerdings nie mehr
wegnehmen: Sein Quad.
Veröffentlichter Artikel in ATV &
Quad Magazin 2005/07 Okt./Nov/Dez.
Text:
Marion Englert (C) |